„Wer nichts zu sagen hat, wird auch nicht gehört“: Interview mit Dr. Michael Kausch, vibrio

Dr. Michael Kausch, vibrio, Social Media StrategieGenau einen Tag, bevor es auf der Wiesn wieder hieß: „O’zapft is“, traf ich mich in Unterschleißheim im Norden Münchens mit Dr. Michael Kausch, dem Geschäftsführer der Kommunikationsagentur vibrio zu einem Gespräch rund um die Themen Social Media, Online-PR, Content und SEO. Und da Petrus wohl für das Oktoberfest bereits üben wollte und uns einen warmen Spätsommertag bescherte, verlegten wir das Interview kurzerhand auf die Dachterrasse des vibrio-Büros.


 

Klassische PR und Unternehmenskommunikation haben mehr gemein als das „R“

Auf meine erste Frage, wo denn die „Überschneidung“ von klassischee Unternehmenskommunikation von Unternehmenskommunikation 2.0 liege, antwortete Dr. Kausch, dass klassische PR-Agenturen eigentlich auch ideale Social Media-Agenturen sein müssten, was zuerst einmal am „R“ für „Relations“ liege. Denn anders als in der Werbung gehe es bei PR-Arbeit wie bei der Kommunikation über soziale Medien um den Dialog, also die „Kommunikation auf Augenhöhe“. Dies bedeute, dass Inhalte so attraktiv gestaltet werden müssten, dass sich andere dafür interessieren.

 

Social Media – Content, Technik und Kanäle. Was geht, was wirkt?

Unter diesem Titel hielt Dr. Kausch auf der letzten vibLounge einen Vortrag, der uns schon damals einen Beitrag im Unternehmen 2.0-Blog Wert war. Zwei Zitate aus diesem Vortrag, die mir in Erinnerung geblieben waren – „Wer nichts zu sagen hat, wird auch nicht gehört“ und „Ohne Inhalte nützen alle Kanäle nichts.“ – packte ich in die nächste Frage: „Setzen Unternehmen bei ihren Social Media- und Web 2.0-Aktivitäten derzeit noch zu sehr auf Technik und zu wenig auf Inhalte?“ Dr. Kausch bestätigte diese Einschätzung und schilderte als klassische Situation aus seinem Agentur-Alltag die Anfrage von Unternehmen: „Alle gehen jetzt in Facebook, alle gehen jetzt in Twitter, ich muss jetzt da auch rein, mach mir mal eine Seite …“ Dies sei aber ein völlig falscher Ansatz, denn nur weil alle anderen reingingen, müsse man noch lange nicht hinterher. Zweitens sei nicht die Seite das Problem, man müsse sich vielmehr zuerst Gedanken machen, mit wem man überhaupt kommunizieren wolle und welche Themen man überhaupt zu teilen habe. Dann müsse man sich Gedanken machen, wie man diese Inhalte aufbereite und wie ein entsprechender Redaktionsplan aussehen könnte. Damit bestätigt der Kommunikationsexperte – und wir hatten uns vorab wirklich nicht abgesprochen – die Vorgehensweise, zu der ich in unserem aktuellen Online-Tutorial „Was soll ich nur schreiben“ rate. Dann erst, so Dr. Kausch weiter, müsse die Entscheidung fallen, welche Kommunikationskanäle genutzt werden.
 

Unternehmensführung/Kommunikationsabteilung: „Gnadenlose Egozentriker“

So zumindest die Einschätzung von Dr. Kausch auf meine Frage, warum es so wenigen Unternehmen gelingt, über die reine Produktankündigung oder Veranstaltungseinladung hinaus attraktive Inhalte zu entwickeln. Dr. Kausch: „Sie schreiben gerne über sich, über das eigene Unternehmen, die eigenen Produkte, die Features – und Punkt. Social Media Kommunikation kann so überhaupt nicht funktionieren!“ Zuerst müssten die bestehenden Inhalte und Internet-Auftritte überprüft werden, dann die bestehenden Inhalte kategorisiert und schließlich neue Themen belegt und kommuniziert werden.
 

„Google liebt nicht nur Google+ …“

„… Google liebt auch Twitter, Google liebt auch und sogar Facebook, Google liebt natürlich YouTube, Google liebt SlideShare“, so Dr. Kausch auf meine Frage, inwieweit sich Suchmaschinenoptimierung (SEO) in Zeiten von Google Panda und Google Pinguin verändert habe und nun nur noch gelte: „Content is King!“ Social Media Marketing werde damit zum integralen und wichtigen Bestandteil der klassischen Suchmaschinenoptimierung. Die alten SEO-Regel wie Keyword-Optimierung blieben zwar aktuell. „Wer aber heute mit seinen Web 1.0-Produkten erfolgreich in den Markt drängen möchte, braucht ein starkes Web 2.0!“ so die Einschätzung von Dr. Kausch. Und so wären Unternehmen dann in der Lage, das Interesse ihrer Kunden zu nutzen, dass diese – und nicht das Unternehmen selbst – es bei Google „nach oben treiben“ würden.
 

Blick in die Kristallkugel: Pflicht und Kür

Auf die abschließende Frage, welche Tipps er Unternehmen auf dem Weg zum Unternehmen 2.0 geben könne, antwortete Dr. Kausch: „Es gibt ein paar Pflichtaufgaben, die eigentlich jeder erfüllen muss!“ Dazu gehöre zuerst einmal das Sichern der eigenen Internet-Adressen und Web 2.0-Identitäten. Als Beispiel nannte er die überraschende Tatsache, dass der BMW-Account (@bmw) auf Twitter nicht dem bekannten deutschen Autobauer, sondern einem Amerikaner (Brian M. Westbrook, wir habens recherchiert) gehöre. Die zweite Pflichtübung sei „Monitoring betreiben“, und zwar sowohl ein „Reputations-Monitoring“ (Was wird bereits heute über das Unternehmen und die Macher im Unternehmen in den sozialen Netzwerken diskutiert) als auch ein „Issue Monitoring“ (Mit welchen Themen kann man selbst in Web 2.0 und Social Media aktiv werden). Die Kür sei dann, eine Entscheidung herbeizuführen, welche dieser Kanäle man wirklich aktiv bespielen möchte sowie die Integration von Social Media Marketing in das Gesamtmarketing des Unternehmens. Zentrales Ziel sei es letztendlich eine Strategie für einer Unternehmenskultur für die neuen Medien und Kanäle entwickeln.

Tja, Mik, an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für das zumindest meiner Meinung nach sehr interessante Gespräch – und so eine eigene Firmendachterrasse ist halt schon eine tolle Sache – vor allem an einem warmen Spätsommertag! 🙂

Wie üblich freue ich mich auf Kommentare, Meinungen und Ansichten zu den im Video-Interview getroffenen Aussagen. Verwenden Sie dazu einfach das Kommentarformular unter diesem Video. Bin gespannt auf Ihr Feedback!

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