Twitter-Follower-Skandal im US-Wahlkampf: Der gekaufte Fan oder Follower

„Bad news is good news“ – diesen Wahlspruch, den ich in meiner Zeit als PR-Berater in den USA immer wieder von amerikanischen Kollegen hören musste, muss derzeit wohl auch US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney für sich in Anspruch nehmen, denn seit Ende Juli reißen die Berichte nicht ab, der Herausforderer von US-Präsident Barack Obama habe Twitter-Follower gekauft. Dieser wiederum hatte seinen ersten Wahlkampf vor vier Jahren wohl auch deshalb gewonnen, weil er erstmals die damals noch wenig entdeckten sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter für seine Kandidatur einsetzte. Das Ergebnis: allein bei Twitter 17 Millionen Follower!

Dies scheint Mr. Romney und sein Team dazu bewogen zu haben, bei den eigenen Zahlen etwas „nachzuhelfen“. Zumindest behauptet dies der amerikanische Autor Zach Green, der in dem Blog 140elect.com die Twitter-Aktivitäten der Präsidentschaftskandidaten während der Wahlen 2012 beobachtet. Und Green stellte dabei fest, das Romney an einem einzigen Wochenende über 100.000 neue Twitter-Follower dazu gewonnen habe, nachdem es zuwor nur 3.000 bis 4.000 neue Follower pro Tag waren. Da bleibt natürlich viel Raum für Spekulationen.
 

Der gekaufte Freund: eine neue „Schattenwirtschaft“

Dass der Erwerb von Twitter-Follower oder Facebook-Fans heute kein Problem mehr ist, beweist das Handelsblatt in einem Beitrag über die „causa Romney“. Dazu genügt ein Besuch im Online-Kaufhaus Ebay. „Nutzen Sie jetzt die Reichweite von Social Media und steigern Sie Ihre Onlinepräsenz!“, verspricht laut Handelsblatt dort ein Anbieter. Das Startgebot liegt bei 39,95 Euro. Das Motto: „Machen Sie sich, Ihr Unternehmen oder Webprojekt bekannt: Senden Sie uns einfach Ihren Twitternamen und den Link zu Ihrer Facebook-Fanpage und den Rest erledigen wir!“ Ein anderer Shop hat sogar „Qualitäts-Follower“ („echte“ User aus Deutschland mit Profilfoto und eigenen Followern) im Angebot – für rund 10 Euro (Sofort-Kauf) ist man dabei, so das Handelsblatt in seinem Beitrag.

Das Geschäft mit gefälschten Freunden in sozialen Netzwerken ist also scheinbar ein lukratives Geschäft. Für Centbeträge pro Follower verkaufen zahlreiche Händler gefälschte Profile.

Der Haken an der Sache: Diese „Freunde“ haben meist keine lange Lebensdauer. Sie werden in der Regel schnell entdeckt und gelöscht. So kamen die Barracuda Labs zur Erkenntnis, dass 80 Prozent der falschen Twitter-Follower des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney weniger als drei Monate alt waren – und zehn Prozent schon wieder aus dem Netzwerk verschwunden sind. Seine falschen Follower, Fans und Freunde fallen vor allem durch ihre Inaktivität auf: jeder Vierte hat nicht einen einzigen Tweet verschickt.

In seiner neuesten Studie „The Underground Economy of Buying Twitter Followers: Dealers, Abusers and Fake Accounts“ analysierte das Unternehmen eine zufällige Auswahl von 70.000 gefälschten Twitter-Profilen, die zum Verkauf angeboten wurden. Ein besonderes Augenmerk legte Barracuda Labs in der Untersuchung nach eigenen Angaben auf einige der aktuellen Käufer gefälschter Follower wie den US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Es existiert ein weit verzweigtes Händlernetz: Allein auf eBay gibt es 20 Anbieter, und unter den Google Top-100 Ergebnissen finden sich 58 Websites, die ebenfalls gefälschte Twitter-Profile verkaufen.
  • Der Missbrauch floriert: Im Durchschnitt hat jeder betrügerische Käufer 48.885 Follower. Das gefälschte Profil folgt seinerseits im Durchschnitt rund 1.800 Profilen.
  • Gefälschte Accounts sind weit verbreitet: Der Preis für 1.000 falsche Follower liegt bei durchschnittlich 15 Euro. 61 Prozent der gefälschten Profile sind weniger als drei Monate alt, im Schnitt bestehen sie seit knapp fünf Monaten.

Die wichtigsten Ergebnisse in einer Infografik

Dr. Paul Judge, Chief Research Officer von Barracuda Networks, kommentiert die Ergebnisse der Untersuchung: „Gefälschte Anwender stellen für Facebook und Twitter eine Gefahr dar, weil sie das Vertrauen erschüttern, dass die Anwender in die Online-Sicherheit und das Gemeinschaftsgefühl der sozialen Netzwerke haben. Dies erschüttert nicht nur das Vertrauen der Werbewirtschaft, weil nicht sicher ist, ob hinter den veröffentlichten Nutzerzahlen echte Accounts stehen. Es gefährdet auch die Funktionsweise dieser Netzwerke an zentraler Stelle, nämlich, dass ihre Anwender sie ohne Bedenken nutzen.“

Die Untersuchung wurde im Mai 2012 begonnen. Barracuda Labs richteten drei Twitter-Profile ein und kauften für jedes von Ihnen zwischen 20.000 und 70.000 Follower über eBay und andere Websites.
 

Die spinnen doch die Amis …

Wer nun glaubt, dieses Phänomen sei ein typisch amerikanisches Problem getreu dem Motto: „Die übertreiben es halt immer ein bisschen“, der muss leider erfahren, dass selbst die CDU sich dem Vorwurf der „gekauften Freunde“ ausgesetzt sieht. Hyperland wies der Partei immerhin 5.000 Fake-Followers nach, die dann auch von Twitter ordnungsgemäß „suspended“, also gelöscht wurden. Bei der CDU wäscht man die Hände natürlich in Unschuld. Vielleicht hat ja sogar der politische Gegner …???

Ich denke, man muss kein Social Media-Experte sein, um zu begreifen, dass diese Art der „wundersamen Freunde-Vermehrung“ nix bringt, doch natürlich sind sich auch die Fachleute einig: Karteileichen nützen auch im Web 2.0 nix! Der Schweizer Social Media-Experte Thomas Hutter drückt es im Handelsblatt-Beitrag freilich druckreifer aus: „Nur ein bekennender und aktiver Fan bringt dem Unternehmen einen Mehrwert, inaktive Fans, also böse ausgedrückt ‚Karteileichen‘, bringen keinen oder nur einen ganz kleinen Nutzen“.
 

Mit Speck fängt man Mäuse – Freunde gewinnen mit einer Facebook-Landing Page

Wir halten uns bei unseren Facebook-Aktivitäten an dieses Motto – und bieten allen Besuchern unserer Facebook-Seiten für ihre Freundschaft auch einen Gegenwert in Form eines kostenlosen Downloads. Im SaaS-Forum ist dies der SaaS-Forum Lösungskatalog, eine Sammlung mit mehr als 250 im deutschsprachigen Raum verfügbaren Software-as-a-Service-Lösungen, im wellness & beauty guide gibt es für ein „Gefällt mir“ den kostenlosen E-Book Führer mit über 900 Wellness- und Beauty-Angeboten im gesamten deutschsprachigen Raum und hier im Unternehmen 2.0-Blog erhalten alle unsere neuen Facebook-Fans den web guide Social Media.

Dafür haben wir auf den entsprechenden Facebook-Seiten eine so genannte Landing Page eingerichtet. Wie wir das gemacht haben, beschreibe ich in einem kurzen Video-Tutorial hier im Unternehmen 2.0-Blog.

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2 Kommentare to “Twitter-Follower-Skandal im US-Wahlkampf: Der gekaufte Fan oder Follower”

  1. Liebe Zwei-Punkt-Nuller

    ich habe mit drei Berliner Medienschaffenden vor zwei Wochen die Initiative „Likedetectives“ gegründet, um Manipulationen rund um gekaufte Fans, Kommentare und Shares aufzudecken und Informationen hierüber öffentlich und ständig zugänglich zu machen. Wir haben zum Thema eine Infografik und Whitepaper erstellt, die laufend aktualisiert werden. Außerdem verlinken wir von unserer Seite http://www.likedetectives.de auf nützliche Tools und andere Artikel zum Thema. So auch zu eurem, den wir sehr informativ fanden.
    Am 20.8. haben wir für den Social Media Club Berlin einen Vortrag über „Die dunkle Seite der Likes“ gehalten, der restlos ausgebucht war. In unserer Facebook-Gruppe http://www.facebook.com/groups/likedetectives diskutieren wir aktuelle Entwicklungen. Wer manipuliert wen? Warum? Wie erkennt man Manipulation?
    Da wir langfristig die Gründung einer unabhängigen Stiftung planen, würden wir uns freuen wenn du und anderen Interessierte mit uns in Kontakt treten und mitdiskutieren: sherlock@likedetectives.de

    Viele Grüße aus Berlin
    Boris

    • redaktion sagt:

      Hallo Boris,

      vielen Dank für das Feedback. Das Thema scheint ja mittlerweile richtig hohe Wellen zu schlagen. Interessante Sache, Eure Initiative. Werden das Ganze auf jeden Fall weiterverfolgen.

      Gruß nach Berlin
      Werner

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