Recruiting 2.0, die Zweite: … uuuund ACTION!

Shitstorm Sparda-Bank AzubisIm August hatten wir hier im Unternehmen 2.0-Blog über die teilweise doch recht kläglichen Versuche vieler Unternehmen berichtet, die Zielgruppe der so genannten „digital natives“ als Bewerber anzusprechen, also junge Menschen, die mit Internet, Web 2.0 und Social Media groß geworden sind und sich ein Leben ohne diese Medien und Kommunikationskanäle gar nicht mehr vorstellen können. Ich muss gestehen, dass auch mir die „Parade des Schreckens“ des KarriereSPIEGELs, die im Beitrag genannt wird, ein schadenfrohes Lächeln auf die Lippen gezaubert hat. Heute nun gibt es ein neues Beispiel aus der Reihe: „Wenn Unternehmen zu rappen versuchen …“ zu berichten. Im Mittelpunkt dieses Mal: die Azubis der Sparda-Bank.

Die Geschichte ist schnell erzählt: „uuuund ACTION!“ lautete das Motto für das Azubi-Projekt „Bankstage – Gib deinem Job eine Bühne“, das von der Frankfurt School of Finance & Management ausgeschrieben worden war. Auszubildende sollten Video-Clips über ihren Ausbildungsberuf drehen und die Internet-Gemeinde sollte darüber entscheiden, wer dies am besten getan hat. Das Video der Sparda-Bank Azubis hatte bereits mehr als 50.000 Klicks, als letzte Woche auf einmal ein „Shitstorm“ losbrach, der sowohl den Wettbewerbs-Veranstalter als auch den Arbeitgeber der „rappenden Azubis“ scheinbar überforderte
 

Nix wie weg!

Nachdem man bei der Sparda-Bank feststellte, dass es negative Kommentare und Kritik an Textzeilen wie „Das Image des Bankers hat stark gelitten, doch der Spaß und die Besonderheit bleibt für uns unumstritten“ oder „Schau gut hin, in dem Anzug steckt noch viel mehr drin. Ich nimm dich an die Hand, ich zeig Dir – das Bankenwunderland.“ nur so hagelte, sperrte man kurzerhand die Kommentarfunktion – vergaß allerdings, dass die Azubis auch auf dem Sparda Azubi-Blog über den Dreh berichtet hatten und dort die Kommentarfunktion nicht ausgeschaltet war – und so ging das Kommentieren munter weiter.

In einem nächsten Schritt entschied man sich dann zum äußersten und löschte das gesamte Video!! Sehr zur Freude von YouTube-Nutzer „fuuumit3u“, Alter 23, Land USA (laut YouTube-Channel), der das Video ebenfalls auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht hatte und sich Stand heute, 11.30 Uhr, über fast 100.000 Klicks freuen darf.

Ob diese Klicks in die Entscheidung der Frankfurt School of Finance & Management einfließen, ist nicht bekannt, denn auch die „duckt sich weg“. Auf der Wettbewerbs-Seite ist zu lesen: „In Kommentaren auf der You-Tube-Seite zum Azubi-Award wurden die Azubis sowie Personen, die in den Filmen auftraten, persönlich verunglimpft und lächerlich gemacht. Um die Azubis, die keine professionellen Filmemacher sind, vor weiterer unsachlicher Kritik zu schützen, hat die Frankfurt School den You-Tube-Kanal vom Netz genommen.“
 

Recruiting 2.0 – Ein RAP allein macht noch keinen „coolen Arbeitgeber“

Auch dieses Beispiel unterstreicht mein Fazit aus dem oben erwähnten Beitrag im August: Social Media- und Web 2.0-Kampagnen können auch nach hinten los gehen können, gerade wenn man versucht, eine Zielgruppe anzusprechen, die einem scheinbar völlig „unbekannt“ ist. Aus diesem Grund habe ich auch in unserem neuesten Video-Tutorial „Content is King“ besonderen Wert darauf gelegt, darzulegen, wie wichtig eine fundierte Zielgruppenanalyse ist, BEVOR man sich in die neuen Medien begibt.

Darüber hinaus scheinen noch viele Unternehmen die viralen Effekte solcher Kampagnen zu unterschätzen. Was einmal im Netz ist, bleibt dort, so viel kann man gar nicht sperren oder löschen. Und wenn der Shitstorm einmal losbricht, wird nicht mehr MIT einem, sondern ÜBER einen gesprochen. Das Handelsblatt hätte über den Wettbewerb und das Video höchstwahrscheinlich gar nicht berichtet, wenn man nicht auf die Online-Kritik aufmerksam geworden wäre.

Leid tun mir nur die „Sparda Movie Stars“, denn die hätten etwas mehr Rückendeckung verdient gehabt. Dass es mit der Musiker-Karriere nun wohl nix wird, scheint da noch das geringste Problem. Die Frage ist da schon eher, ob es in Zukunft Unternehmen noch gelingt, junge Menschen für sich zu begeistern, wenn diese befürchten müssen, dass sie dann doch recht schnell allein gelassen werden. Denn anstatt zu sperren und zu löschen, hätten meiner Meinung nach sowohl Sparda-Bank wie auch Frankfurt School of Finance & Management sich weiter zu Wettbewerb und Beiträgen bekennen müssen und lieber jemanden beauftragt, die teilweise „unterirdischen“ Kommentare entsprechend zu beantworten. Dies hat nun wenigstens die öffentliche Diskussion übernommen. Bei den jüngsten Kommentaren auf dem Sparda Azubi-Blog sind nun auch einige „tröstende“ Worte dabei.


Sie können einen Kommentar abgeben, oder von Ihrer eigenen Seite einenTrackback setzen.

Ein Kommentar to “Recruiting 2.0, die Zweite: … uuuund ACTION!”

  1. redaktion sagt:

    Update Juni 2013: Sie werden es wahrscheinlich gemerkt haben, wenn Sie das Video oben gestartet haben. „fuuumit3u“ hat das Video – ob aus Mitleid oder aus welchen Gründen auch immer – mittlerweile als „privat“ gesperrt. Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn nicht sofort ein anderer in die Bresche springen würde. Das Video gibt es weiter bei YouTube-Nutzer laurentinews.de – Online Schülerzeitung der Schülerinnen und Schüler des Laurentius-Siemer-Gymnasiums http://youtu.be/_4bFlde6N6c

Einen Kommentar verfassen

Spam-Schutz * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.