Die „sechs Mythen der IT-Consumerization“ – Avanade-Studie räumt damit auf

Willi Backhaus AvanadeDer Arbeitsplatz der Zukunft ändert sich und damit auch das Werkzeug. Mobile Endgeräte wie SmartPhones (iPhone) oder Tablet PCs (iPad) spielen eine immer größere Rolle. Ein weiterer Trend in diesem Zusammenhang ist die Verschmelzung zwischen beruflicher und privater Nutzung dieser Geräte. Von der „Consumerization der IT“ ist die Rede. Das Beratungsunternehmen Avanade hat in einer weltweiten Befragung versucht herauszufinden, wie Fach- und Führungskräfte in Unternehmen zu diesem Trend stehen. Aus Anlass der Veröffentlichung der Studienergebnisse stand uns Willi Backhaus, Director Workplace Enablement Services ASG bei Avanade, für ein Interview zur Verfügung.

Frage: Bevor wir uns mit über die einzelnen Ergebnisse Ihrer Studie unterhalten vorab die Frage: Konnten Sie regionale Unterschiede bei der Befragung feststellen, d.h. haben die Befragungsteilnehmer in Deutschland anders geantwortet als ihre Kollegen in anderen Ländern?

Backhaus: Gerade bei einem Thema wie Arbeitsplatz der Zukunft hätte man deutliche regionale Unterschiede erwarten können, doch ergab die Studie – von einigen kleineren Abweichung bei der Gewichtung einmal abgesehen– doch eine sehr einheitliche Sicht der Dinge in allen, an der Studie beteiligten Ländern. Und wenn Sie speziell nach den deutschen Ergebnissen fragen, dann unterschieden diese sich wenig von den Ergebnissen in Ländern, die dem Mobility-Trend angeblich aufgeschlossener gegenüber stehen, wie z.B. Länder in Südamerika oder Fernost.

Frage: Kommen wir zu den Ergebnissen. Verfolgt man die aktuelle Diskussion, so scheinen doch viele Unternehmen einer Vermischung aus beruflicher und privater Nutzung mobiler Endgeräte eher skeptisch gegenüber zu stehen und scheuen sich vor der Erlaubnis für ihre Mitarbeiter, private Endgeräte am Arbeitsplatz zu nutzen. Stichpunkt Datensicherheit, Stichpunkt Ablenkung. Wird dieser Eindruck durch Ihre Studie untermauert?

Backhaus: Überhaupt nicht. Weltweit gaben 88 Prozent der Befragten an, dass ihre Mitarbeiter schon jetzt persönliche IT-Technologien und -Geräte für berufliche Zwecke nutzen würden. Unter den deutschen Studienteilnehmern bejahten dies sogar 93 Prozent.

Frage: Dann wird also das Schlagwort „BYOD“ (Bring Your Own Device, bring Dein eigenes Gerät) zum Standard in vielen Unternehmen. Sicher geht es diesen Unternehmen darum, sich als attraktiver Arbeitsplatz für eine neue Generation von Mitarbeitern („digital natives“) zu präsentieren?

Backhaus: Auch diese weitverbreitete Annahme wird durch unsere Studie nicht bestätigt. Laut Umfrage hat bisher weniger als ein Drittel (32 Prozent) aller Befragten die Rekrutierungsstrategie zugunsten des BYOD-Trends geändert hat, um jüngere Bewerber zu gewinnen. Die Nutzung persönlicher Geräte am Arbeitsplatz ist demnach noch kein gängiges Mittel für die Mitarbeiterwerbung oder Mitarbeiterbindung. Bei den deutschen Interviewten sagten 43 Prozent, dass ihr Unternehmen eine neue Rekrutierungsstrategie verfolge und BYOD zur Ansprache junger Bewerber nutze. Insgesamt glauben jedoch nur 20 Prozent aller befragten Führungskräfte, dass persönliche Computing-Technologien Vorteile für Rekrutierung und Mitarbeiterbindung mit sich brächten.

Frage: Also geht es den Unternehmen gar nicht so sehr um den „glücklichen, motivierten“ Mitarbeiter in einem innovativen Unternehmen?

Backhaus: Stimmt! Für Geschäftsführer hat die Consumerization der IT weniger mit den Mitarbeitern an sich zu tun, als vielmehr mit der Art und Weise wie diese heute arbeiten. Unsere Studie belegt, dass die IT-Verantwortlichen Produktivitätsverbesserung und ortsunabhängigen Zugriff deutlich wichtiger einschätzen als eine verbesserte Arbeitsmoral ihrer Mitarbeiter oder die Möglichkeit, jüngeren Angestellten mehr Verantwortung übertragen zu können

Frage: Kommen wir zu einem weiteren Mythos: Consumerization der IT = Apple iPhone und iPad!

Backhaus: Auch dieses Mythos konnten wir mit unserer Studie widerlegen. Natürlich spielen die Apple-Produkte eine Rolle. Die Umfrageteilnehmer gaben aber an, dass die beliebtesten und am häufigsten genutzten Geräte ihrer Mitarbeiter Android-Smartphones (35 Prozent), BlackBerry Smartphones (32 Prozent) und Apple Laptops (26 Prozent) seien. Bei den deutschen Befragten gehören Android-Smartphones mit 54 Prozent zu den beliebtesten persönlichen Arbeitsgeräten der Mitarbeiter, gefolgt von BlackBerry Smartphones (36 Prozent), Windows Tablets (25 Prozent) und Apple iPhones sowie iPads (jeweils 25 Prozent).

Frage: Nun stellt sich natürlich die Frage, wie die Mitarbeiter in Zukunft ihre mobilen Endgeräte einsetzen werden. Ich vermute einmal, hauptsächlich für die Kommunikation via E-Mail und den Austausch in sozialen Netzen. Aber ist das schon alles?

Backhaus: Nein. Wir stellten im Rahmen unserer Umfrage fest, dass Mitarbeiter ihre Smartphones und Tablets nicht länger nur für diese inhaltskonsumierenden Aktivitäten verwenden, sondern heute vermehrt berufsrelevante Unternehmensanwendungen nutzen. Zu den weltweit am häufigsten genutzten Applikationen und Diensten gehören, so die Auswertung aller Antworten, Customer Relationship Management (45 Prozent), Applikationen zur Zeit- und Aufwandmessung (44 Prozent) sowie Enterprise Resource Planning (38 Prozent). Bei den deutschen Umfrageteilnehmern nennen 39 Prozent CRM, 32 Prozent Zeit- und Aufwandanwendungen und 32 Prozent ERP als wichtige Dienste, die mit persönlichen Geräten aufgerufen würden.

Frage: Lassen Sie mich zum Abschluss die – wohl etwas ketzerische – Frage stellen, ob Unternehmen heute schon in der Lage sind, diesen Trend zur Consumerization der IT überhaupt mitzugehen, private Endgeräte zuzulassen und dennoch den Anforderungen an IT-Sicherheit und Compliance zu genügen?

Backhaus: Zumindest gehen sie davon aus, dass sie dazu in der Lage sind. Weltweit gaben 80 Prozent der Befragten an, dass sie sich sehr wohl imstande fühlen, diese neue IT-Infrastruktur mit integrierten privaten Endgeräten in den Griff zu bekommen, in Deutschland waren es sogar 97 Prozent.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über die Studie
Die globale Studie „Dispelling Six Myths of Consumerization of IT“ von Avanade wurde von Wakefield Research, einem unabhängigen Analystenhaus, im Oktober und November 2011 unter 605 C-Level-Unternehmens- und IT-Verantwortlichen durchgeführt. Ihre Firmen und Organisationen befinden sich in 17 Ländern in Nordamerika, Europa, Südamerika und Asien.

http://www.avanade.com/de-de/approach/research/Pages/consumerization-of-it.aspx

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Ein Kommentar to “Die „sechs Mythen der IT-Consumerization“ – Avanade-Studie räumt damit auf”

  1. […] zum Arbeiten, Spielen und Verwalten genutzt. Warum dieser Wandel? Dieser Wandel nennt sich IT-Consumerization. Sinn für diesen Wandel ist die daraus resultierende Effektivität. Es kann von überall aus […]

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